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Mehr als nur ein Hoffnungsschimmer

erstellt von Johannes Kohl zuletzt verändert: 01.04.2010 10:20
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Herr Herbert Jauch von der Basic Income Grant Coalition Namibia zu Besuch beim DIE (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik)


Das Pilotprogramm in einem kleinen Dorf im Südwesten Afrikas ist ja durchaus schon weltberühmt.

Also war es nicht verwunderlich mich im einem größeren Kreise von über 50 Grundeinkommens-befürwortern und Entwicklungshilfe Experten wieder zu finden.
Die Kreisform der Zusammenkunft wurde übrigens sehr bewusst vom Veranstalter gewählt und trotz der unerwartet großen Anzahl von Gästen strickt beibehalten.
Eine Info Veranstaltung? Eine Bittsteller Tour? Ein Vertreter aus einem Entwicklungsland auf Fundraising Tour?

Meine Erwartungen waren nicht sonderlich hoch.

Aber was nun in den nächsten eineinhalb Stunden erlebte gehört zu den großen Highlights die ich in der Grundeinkommens Diskussion empfunden habe.
Herr Jauch schilderte in einer Kurzen Zusammenfassung die geschichtlichen und sozialen Hintergründe die zu der Basic Income initiative geführt haben.

Die Einkommenssituation in Namibia spannt sich heutzutage von einer auf dem Land lebenden farbigen Frau mit einem Jahreseinkommen von 85 $ über einen farbigen Stadtbewohner mit 750 $ Jahreseinkommen, bis zu dem durchschnittlichen Einkommen eines weißen Namibiers der 16.000 $ verdient.
Da die Sozialausgaben des Staates 40% des Staates ausmachen hat die Regierung schon seit Jahren nach Konzepten gesucht wie die absolute Armut des Landes am günstigsten bekämpft werden könnte.
Die guten Erfahrungen mit der Einführung einer Mindestrente (45 $ monatl.) in Namibia waren sehr ermutigend.
Dabei war schon seit geraumer Zeit das BGE angedacht. Die Umsetzung scheitert am Mut der Herrschenden und dem Druck durch den IWF und den Ausländischen Experten andererseits.
Die große Koalition der Nichtregierungsorganisationen (NGO´s, Kirchen, Sozialvervände, Gewerkschaften) hat dann einfach ein wissenschaftlich fundiertes und unabhängig begleitetes Pilot Projekt gstartet.
Die ausgewählte Gruppe vom Menschen lebt in einem kleinen unzugänglichen Dorf. Das Dorf ist von einem Ring von Farmen umgeben wo die Menschen zum Teil früher gearbeitet haben, oder das jetzt auch noch tun.
200 Familien des Dorfes sowie die Farmerfamilien im Umland des Dorfes erhalten seit über 2 Jahren die 100 Namibia Dollar pro Person und Monat.
Das entspricht ungefähr einem drittel des zum Leben notwendigen Geldes.
Im Dorf gibt es einen Laden eine Polizeistation eine Klinik und eine Grundschule sowie 7 Kneipen.
Herr Jauch berichtete dann von den vielfälltigen Veränderungen im Leben der Menschen im Dorf und auf den Farmen.
Die Liste war lang und sehr ermutigend!
Die Rate unterernährter Kinder fiel von 47% auf 16%.
Kinder gehen durchgängig in die Schule. Schulgeld wird bezahlt.
50 % der Behausungen sind heute aus lokal erzeugten Ziegeln gemauert und nicht mehr aus Plastikplanen und Müll.
Die Feuerholz Diebstähle sind um 60% zurückgegangen.
Es gibt zusätzlich eine Bäckerei im Dorf.
Der einzige Laden ist nicht mehr die einzige Quelle für Lebensmittel.
Der Bürokratischen Aufwand ist gering. Die Menschen erhalten eine Chipcarte zum Abheben Ihres Guthabens bei der Post. Die  Legitimation wird durch einen Fingerabdruck bewerkstelligt.
Das Geld für die Kinder wird dem versorgenden Familienmitglied, meist die Mutter, übertragen.
Die wissenschaftlichen Auswertungen zeigen, dass schon 5 % des Namibischen Staatshaushaltes 60% der Bürger über die Armutsgrenze heben würde.
Alleine der Wiederstand aus dem Finanzministerium, welches unter dem Druck des IWF steht verhindert die Flächendeckende Einführung des Systems.
Wegen des großen Anteils an Subsistenzwirschaft in Namibia sind die ländlichen Gegenden auch beim Grundeinkommen deutlich im Vorteil.
Ein aktuelles Problem ist die Einstellung der Zahlungen für die Probanden.

Alle Zuhörer waren sich einig, einen erfolgversprechenden Bericht guter Armutsbekämpfung und Sozialer Entwicklung erlebt zu haben.
Aber bei mir und auch vielen Anwesenden blieb der bittere Beigeschmack, dass es wohl den einflussreichen Herren des IWF und anderer privilegierten Gruppen gar nicht recht zu sein scheint wenn solche Studien und Experimente einen solch positiven Ausgang nehmen.
Soll ein solch positives Exempel erst gar nicht in die Welt gestellt werden dürfen?
Bibbern da etwa einige Kreise um Ihre Pfründe und Privilegien?

Kurt Seul

Teil 1 eines Interviews mit herbert Jauch





 

Teil 2

Teil 3

 

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