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Artikel für Apropos Herbst 2009

erstellt von monika zuletzt verändert: 23.02.2010 11:32
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Neues vom Initiativkreis Soziale Dreigliederung Neuwied

In unserer gemeinsamen Arbeit am Inhalt der sozialen Dreigliederung hat sich das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens in diesem Jahr in den Vordergrund geschoben. Über einige Aktivitäten und unsere Öffentlichkeitsarbeit, die wir mit Begeisterung und Engagement veranstalteten, wollen wir nun am Jahresende berichten (siehe auch Apropos Nr. 23 und 24). Das Erlebte gibt unserem Kreis den Schwung für weitere Ideen, die wir im nächsten Jahr aufgreifen wollen.

 

Krönungswelle

 

Begonnen haben wir im Juni 2009 mit einer Krönungsaktion auf dem Deichstadtfest in Neuwied. Die poetisch dargestellte Krönungsszene in dem Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt am Baseler Bahnhof wurde zum Impulsgeber für eine Krönungswelle durch ganz Deutschland in verschiedenen Städten. Die Krönung der Bürger wurde mit dem Satz begleitet: „Wenn jeder sein eigener König sein kann, muss keiner der König über dem Anderen sein!“ Es stellt sich dann die Frage, wer ist der König in uns? Der werdende Mensch! Und wie kann der Mensch werden? Er kann es in einer Gesellschaftskultur, in der ein Mensch Erfahrungen machen kann, in der er Fehler machen darf, in der er Entscheidungen aus seinem Selbst treffen kann, in der er seine Talente und Begabungen entdeckt und entwickelt. Dazu braucht er Zeiträume, in denen das alles geschehen kann zum Wohle der ganzen Gemeinschaft.

 

Wenn aber das Prinzip der Rendite als alleiniger Herrscher die gewachsenen Lebensräume unterwandert, wird der Mensch zum berechenbaren Faktor, dem nur noch das Prinzip des Funktionierens zusteht. Welches Menschenbild wird da erlebt? Das eines Königs, eines freien Initiativmenschen oder eines zu disziplinierenden Menschen, der nur tätig wird mit der bekannten Möhre vor der Nase?

 

Aktionswoche

 

Weiter ging es dann im September 2009 mit einer Aktionswoche zu dem Thema „Chancen des bedingungslosen Grundeinkommens in der gegenwärtigen Krise“. Veranstaltungsort war die Volkshochschule Neuwied, die uns mit großer Offenheit die Räume zur Verfügung stellte. Eröffnet wurden die Aktionen mit einer Wanderausstellung (erstellt von NGO Attac) zu dem Thema. Es schloss sich die Filmvorführung des bedingungslosen Grundeinkommens mit lebendiger Diskussion an.

Ein Vortragsabend mit der Soziologin und Dipl. Volkswirtin Frau Dr. Ute Fischer, (Uni Dortmund) gab Gelegenheit, zu dem Thema ausführliche Fragen zu stellen. Im Besonderen ging Frau Fischer auf die häufig gestellte Frage der Finanzierbarkeit ein. Eine Modellrechnung von Prof. Pelzer und Dr. Ute Fischer zeigt eindeutig die Möglichkeit einer Einführung.

 

Öffentliche Initiativgruppen

 

Deutlich wurde uns noch mal die Wichtigkeit des Aufgreifens dieser Zukunftsidee von örtlichen Initiativgruppen. Nur hier können sich im Austausch von Mensch zu Mensch neue Ideen bilden und fast so etwas stattfinden wie Ideenwerkstätten der Bürger bezogen auf gesellschaftliche Fragen. Wo gibt es denn heute noch Räume der freien Ideen, in denen Alternativmodelle diskutiert werden, in denen sich Menschen vor Ort, interessierte Bürger, Wissenschaftler, Künstler zusammenfinden, um aus der Ideenlosigkeit unserer so genannten Entscheidungsträger herauszuführen?

Das bedingungslose Grundeinkommen, ein Zukunftsimpuls zur Umgestaltung der Gesellschaft ins 21. Jhdt. hinein, lädt ein zum Werden und Möglichkeiten neu zu denken!

 

Münchner Grundeinkommenskongress

 

Zu berichten ist noch vom Münchner Grundeinkommenskongress in der Waldorfschule München-Schwabing (11.-13.09.09). Götz Werner, Gerald Häfner, Sascha Liebermann, viele Tagungsteilnehmer und die beiden Filmemacher Daniel Häni und Enno Schmidt gaben den Tagen inhaltlich eine große Tiefe und die Möglichkeit, die gegenwärtige Gesellschaftssituation kritisch zu betrachten. Das World-Cafe, ein Dialog- und Kommunikations-Format, erschloss die Möglichkeit mit zahlreichen Menschen in einen ungewöhnlich offenen und kreativen Austausch zu kommen und die Frage Was führt die Menschen zu dem Thema Grundeinkommen? gab mir individuelle Einblicke, die mich sehr betroffen machten. Es war die Angst um den Arbeitsplatz, der übergroße Leistungsdruck, mangelnde Solidarität, das Gefühl, das ganze Leben in fremden Kleidern stecken zu müssen (so ein Ausspruch eines Teilnehmers), die in den Gesprächen zum Ausdruck kamen.

Die große gesellschaftliche Breite, in der das Thema angekommen ist, gibt doch den Eindruck, dass hier eine Idee die Menschen berührt, die übergeordnete Sinnzusammenhänge erfasst.

 

Neue aktive Mitstreiter haben unseren Kreis erweitert. Jeden zweiten Dienstag im Monat erarbeiten wir uns den Text „Die Globalisierung gestalten, Zivilgesellschaft, Kulturkraft und Dreigliederung“ von Nicanor Perlas (alternativer Nobelpreisträger 2003). Der vierte Dienstag im Monat wird dem Thema Grundeinkommen gewidmet, jeweils um 20 Uhr.

 

Monika Knobling-Klöver für den Arbeitskreis Soziale Dreigliederung Neuwied

www.bgeneuwied.org

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